Videonystagmographie (VNG) – objektive Schwindeldiagnostik über die Augen

Bei Schwindel liefert oft das Auge die wichtigsten Hinweise: Wenn das Gleichgewichtssystem (Innenohr) oder die zentrale Verarbeitung aus dem Gleichgewicht gerät, entstehen typische, unwillkürliche Augenbewegungen – ein sogenannter Nystagmus. Mit der Videonystagmographie (VNG) messen wir diese Augenbewegungen objektiv und präzise mithilfe einer Infrarot-Videobrille. So können wir die Ursache deiner Beschwerden besser einordnen und die Therapie gezielt planen – besonders auch bei Lagerungsschwindel (BPLS).
Wofür setze ich VNG ein?
• Abklärung der Schwindelursache (Innenohr/vestibulär vs. zentrale Verarbeitung)
• Diagnostik und Therapiekontrolle bei BPLS (benigner paroxysmaler Lagerungsschwindel)
• Verlaufskontrolle und objektive Dokumentation (z. B. vor/nach Repositionsmanövern oder vestibulärer Rehabilitation)
Welche Tests führe ich mit VNG durch?
Spontannystagmus
Wir prüfen, ob bereits in Ruhe ein Nystagmus vorhanden ist. Das kann Hinweise auf eine akute oder noch nicht vollständig kompensierte vestibuläre Störung geben.
Blickrichtungsnystagmus
Hier wird gemessen, wie sich die Augen bei Blick nach rechts/links/oben/unten verhalten. Das unterstützt die Einordnung, ob eher ein peripheres (Innenohr) oder zentrales Muster vorliegt.
Kopfschütteltest
Nach kurzem Kopfschütteln schauen wir, ob ein Nystagmus ausgelöst wird. Das kann auf eine Seitenasymmetrie im vestibulären System hinweisen.
Bow-and-Lean-Test
Dieser Test ist besonders hilfreich bei Verdacht auf horizontalen BPLS. Durch Vorbeugen („Bow“) und Zurücklehnen („Lean“) lassen sich typische Augenreaktionen auslösen, die helfen, die betroffene Seite und Form genauer zu bestimmen.Der Bow-Test liefert Hinweise darauf, ob ein atypischer BPLS vorliegt oder ob auch eine zentrale Ursache in Betracht gezogen werden sollte.
Lagerungstests (Positionsdiagnostik)
Bei Verdacht auf Lagerungsschwindel führen wir gezielte Lagerungen durch. Mit VNG können wir den Nystagmus sichtbar machen, messen und dokumentieren – das erhöht die diagnostische Sicherheit und erleichtert die Wahl des passenden Repositionsmanövers.
Minimale Strategie bei BPLS
Wenn möglich, arbeite ich mit einer minimal provokativen Diagnosestrategie. Das bedeutet: Wir versuchen, mit so wenig Belastung wie nötig dennoch zuverlässig herauszufinden, welcher Bogengang betroffen ist und welche Behandlung am besten passt.
Vibrationsinduzierter Nystagmus (VIN, 100 Hz)
Der VIN-Test ist eine ergänzende Untersuchung, bei der durch eine kurze Vibration (typisch ca. 100 Hz) ein Nystagmus ausgelöst werden kann. Das hilft, eine vestibuläre Seitenasymmetrie objektiv zu erkennen – auch dann, wenn in Ruhe kein deutlicher Nystagmus mehr sichtbar ist (z. B. nach Neuritis vestibularis). Der Test ist kurz, nicht invasiv und wird gut toleriert.
Was bringt das für die Therapie?
Gerade bei BPLS ist VNG sehr wertvoll, weil wir:
• die typischen Muster objektiv sehen,
• die Behandlung (Repositionsmanöver) gezielt auswählen,
• und den Therapieerfolg direkt kontrollieren können.
Wie läuft die Untersuchung ab?
Die Untersuchung ist schmerzfrei. Du trägst eine Videobrille, wir führen einzelne Blick- und Lagerungstests durch, und die Augenbewegungen werden aufgezeichnet.